Hypnosepsychotherapie
Hypnose hat mit dem, was man aus Bühnenshows kennt, wenig zu tun. In der Psychotherapie ist sie ein ruhiges, genaues Werkzeug – und Sie behalten dabei jederzeit die Kontrolle.
Was ist Hypnose?
Von Hypnose spricht man, wenn ein Mensch mit Unterstützung eines anderen in einen Zustand gebündelter, nach innen gerichteter Aufmerksamkeit findet: die Trance. Der Begriff kommt vom griechischen Wort „hypnos“ für Schlaf. Er stammt aus einer Zeit, in der man Trance für einen schlafähnlichen Zustand hielt.
Heute weiß man: Trance ist kein Schlaf. Sie sind wach, hören alles und können jederzeit sprechen oder die Trance beenden. Was sich verändert, ist die Art der Aufmerksamkeit. Sie richtet sich nach innen, Äußeres tritt in den Hintergrund. In diesem Zustand sind Vorstellungskraft, Erinnerung und Körperwahrnehmung leichter zugänglich als im Alltagsbewusstsein. Genau das nutzt die Psychotherapie.
Wie fühlt sich Trance an?
Trance ist ein natürlicher Zustand, den jeder Mensch kennt. Wenn Sie in ein Buch vertieft sind und nicht hören, dass jemand Sie ruft. Wenn Sie eine vertraute Strecke fahren und am Ziel kaum wissen, wie Sie hingekommen sind. Wenn Sie in Gedanken versunken aus dem Fenster schauen. In der Therapie wird dieser Zustand bewusst herbeigeführt und genutzt.
Die meisten Menschen beschreiben Trance als angenehm ruhig, oft als tiefe Entspannung. Manche spüren ihren Körper schwerer oder leichter, manche erleben innere Bilder sehr lebendig, andere eher Gefühle oder Gedanken. Es gibt kein richtig oder falsch. Viele sind nach der ersten Sitzung überrascht, wie wach sie dabei waren.
Hypnose ist keine Show
Was man aus dem Fernsehen oder von der Bühne kennt, hat mit therapeutischer Hypnose wenig gemein. Showhypnose arbeitet mit sorgfältig ausgewählten Freiwilligen, mit Gruppendruck und mit Effekten, die unterhalten sollen. In der Psychotherapie geht es um das Gegenteil: um Ihre Ziele, in Ihrem Tempo, mit Ihrem Einverständnis bei jedem Schritt.
Hypnosepsychotherapie
Hypnosepsychotherapie ist in Österreich eine gesetzlich anerkannte Psychotherapiemethode. Sie darf nur von Psychotherapeut:innen mit einer entsprechenden mehrjährigen Ausbildung ausgeübt werden. Sie ist tiefenpsychologisch fundiert: Es geht nicht nur darum, Beschwerden zu lindern, sondern zu verstehen, woher sie kommen, und das zu verändern, was sie aufrechterhält.
Die moderne Hypnosepsychotherapie verbindet drei Arbeitsweisen, die sich in der Geschichte der Hypnose entwickelt haben:
Die Arbeit mit dem Körper. In Trance lassen sich körperliche Vorgänge beeinflussen, etwa die Wahrnehmung von Schmerz, Juckreiz oder Anspannung. Das ist besonders bei psychosomatischen Beschwerden und bei chronischem Stress wichtig.
Die aufdeckende Arbeit. In Trance sind frühere Erfahrungen leichter zugänglich. Belastende Erlebnisse, die bis heute nachwirken, können erkannt und in einem sicheren Rahmen bearbeitet werden. Darauf baut die Traumatherapie auf.
Die lösungsorientierte Arbeit. Statt nur auf das Problem zu schauen, richtet sich der Blick auf Fähigkeiten, Ressourcen und das, was Sie erreichen wollen. Neue Wege werden in Trance nicht nur gedacht, sondern erlebt und eingeübt.
In meiner Arbeit greifen diese drei Ebenen ineinander. Welcher Schwerpunkt im Vordergrund steht, hängt davon ab, was Sie mitbringen.
Selbsthypnose
Selbsthypnose heißt, sich selbst gezielt in einen Trance-Zustand zu versetzen, ohne Begleitung. Die meisten meiner Klient:innen lernen sie früh in der Therapie. Sie ist ein Werkzeug, das Ihnen gehört: um zur Ruhe zu kommen, um besser einzuschlafen, um mit Anspannung, Schmerz oder Angst anders umzugehen – und um zwischen den Sitzungen weiterzuarbeiten. Selbsthypnose macht unabhängig. Das ist ein wichtiges Ziel jeder Therapie.
Suggestion
Suggestionen sind die sprachlichen Anregungen, mit denen ich Sie durch die Trance begleite. Sie sind keine Befehle, sondern Einladungen: zu einem inneren Bild, zu einer Erinnerung, zu einer Empfindung. Sie entscheiden, was Sie davon aufnehmen.
Geschichte der Hypnose
Trancezustände begleiten die Menschheit seit ihren Anfängen. Schamanen nutzten sie, die Priester im alten Ägypten, und in den Tempeln des antiken Griechenland gab es den Tempelschlaf, in dem Kranke Heilung suchten. Trance diente auch in Ritualen, die große Übergänge im Leben begleiteten, etwa vom Kind zum Erwachsenen.
Wissenschaftlich beschäftigte sich zuerst der Arzt Franz Anton Mesmer um 1770 mit dem Phänomen. Er führte bei seinen Patient:innen Trancezustände herbei und erregte damit in Wien und Paris großes Aufsehen. Seine Erklärung, eine Art „tierischer Magnetismus“, erwies sich als falsch. Das Phänomen selbst blieb.
Im 19. Jahrhundert wurde Frankreich zum Zentrum der Hypnoseforschung, mit den Schulen in Nancy um Ambroise-Auguste Liébeault und Hippolyte Bernheim und in Paris um Jean-Martin Charcot. Der junge Sigmund Freud studierte bei Charcot und arbeitete zunächst selbst mit Hypnose. Seine Beobachtungen zum Unbewussten führten ihn zur Psychoanalyse. Aus der Verbindung beider entstand später die Hypnoanalyse.
Im 20. Jahrhundert entwickelte der amerikanische Psychiater Milton H. Erickson einen neuen, indirekten und lösungsorientierten Zugang zur Hypnose. Er prägt die therapeutische Hypnose bis heute.
Die Hypnosepsychotherapie, wie sie in Österreich gelehrt wird, verbindet diese Strömungen: die körperbezogene Arbeit, die aufdeckende Hypnoanalyse und den lösungsorientierten Ansatz Ericksons.
Häufige Fragen
Bin ich in Hypnose willenlos?
Nein. Sie sind wach, hören alles und können jederzeit sprechen, Fragen stellen oder die Trance beenden. Sie werden in Hypnose nichts tun, was Sie nicht wollen oder was Ihren Werten widerspricht.
Kann es passieren, dass ich nicht mehr aus der Trance zurückkomme?
Nein. Trance ist ein natürlicher Zustand, der von selbst endet. Im ungünstigsten Fall schlafen Sie ein und wachen ganz normal wieder auf.
Was passiert, wenn ich einschlafe?
Dann schlafen Sie ganz normal. Entweder wachen Sie von selbst auf, oder ich wecke Sie. Das ist kein Problem und kommt bei sehr erschöpften Menschen gelegentlich vor.
Werde ich mich an alles erinnern?
In der Regel ja. In tiefer Trance kann es vorkommen, dass das Zeitgefühl sich verändert oder dass einzelne Teile weniger deutlich in Erinnerung bleiben. Das ist harmlos und kann in der Therapie sogar hilfreich sein, etwa wenn belastende Erinnerungen bearbeitet werden.
Bin ich überhaupt hypnotisierbar?
Die Fähigkeit, in Trance zu gehen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt, aber fast alle Menschen haben sie. Erfahrungen mit Meditation, Autogenem Training oder Yoga sind oft hilfreich, aber keine Voraussetzung. Trance lässt sich auch üben.
Muss ich an Hypnose glauben, damit es funktioniert?
Nein. Eine gewisse Offenheit hilft, Skepsis stört nicht. Viele meiner Klient:innen kamen sehr skeptisch, und das ist völlig in Ordnung.
Ist Hypnose gefährlich?
Trance selbst ist ein natürlicher Zustand und nicht gefährlich. Wie bei jedem wirksamen Werkzeug kommt es aber darauf an, wer es anwendet. Gerade wenn es um belastende Erinnerungen oder um Gesundheit geht, braucht es eine fundierte Ausbildung. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihr Gegenüber als Psychotherapeut:in eingetragen ist.
Wie läuft eine Sitzung ab?
Wir beginnen mit einem Gespräch darüber, wie es Ihnen geht und woran wir arbeiten. Dann leite ich Sie in eine Trance, meist für zwanzig bis dreißig Minuten. Danach sprechen wir über das, was Sie erlebt haben. Nicht jede Sitzung enthält eine Trance – manchmal ist das Gespräch der wichtigere Teil.
Was ist der Unterschied zwischen Hypnose und Hypnosepsychotherapie?
Hypnose ist eine Technik. Hypnosepsychotherapie ist eine vollständige Psychotherapiemethode, in der Hypnose ein wichtiges Werkzeug ist – eingebettet in Gespräch, Diagnostik, Behandlungsplanung und die tiefenpsychologische Arbeit an den Ursachen.
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