Psychosomatik und Psychotherapie
Der Körper ist krank, die Befunde sind eindeutig – und trotzdem spüren Sie, dass da noch mehr ist. Dass Belastung, Anspannung oder alte Geschichten mitreden. Damit liegen Sie richtig.
Wenn der Körper mitredet
Vielleicht kennen Sie das: Die Haut blüht genau dann auf, wenn es in der Arbeit eng wird. Der Darm meldet sich vor jedem schwierigen Gespräch. Die Migräne kommt am ersten Urlaubstag. Die Luft wird knapp, sobald der Druck steigt.
Viele Menschen mit solchen Beschwerden haben einen langen Weg hinter sich. Sie waren bei vielen Ärzt:innen, haben Medikamente, Salben, Diäten ausprobiert. Manches hat geholfen, aber nie ganz. Und irgendwann fällt der Satz „Das ist psychosomatisch“ – und klingt wie „Das bilden Sie sich ein“.
Das ist ein Missverständnis. Psychosomatisch heißt nicht eingebildet. Es heißt, dass Körper und Psyche zusammenwirken – bei jeder Krankheit, mal mehr, mal weniger. Die Beschwerden sind echt. Und weil sie echt sind, lohnt es sich, beide Seiten ernst zu nehmen.
Die Anfänge: die „Holy Seven“
Dass Gefühle krank machen können, wussten schon die Ärzte der Antike. Als eigenes Fach mit systematischer Forschung entstand die psychosomatische Medizin aber erst in den 1930er-Jahren. Die amerikanische Ärztin Helen Flanders Dunbar beschrieb 1935, wie Lebensgeschichte und Gefühlsleben mit bestimmten Krankheiten zusammenhängen.
1950 fasste der Psychoanalytiker Franz Alexander in Chicago sieben Krankheiten zusammen, bei denen er einen besonders engen Zusammenhang mit seelischen Konflikten sah. Später nannte man sie halb ehrfürchtig, halb spöttisch die „Holy Seven“, die heiligen Sieben:
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür. Lange das Paradebeispiel der Psychosomatik: Ärger, Sorgen und Druck, die „schwer im Magen liegen“. Heute weiß man, dass meist ein Bakterium beteiligt ist, Helicobacter pylori. Stress beeinflusst aber, wie anfällig die Schleimhaut ist.
Asthma bronchiale. Die Atemwege reagieren überempfindlich und verengen sich. Angst, Aufregung und starke Gefühle können Anfälle auslösen oder verstärken, und die Angst vor der nächsten Atemnot verstärkt die Enge zusätzlich.
Neurodermitis. Eine entzündliche Hauterkrankung mit starkem Juckreiz. Haut und Nervensystem sind eng verbunden; Anspannung verstärkt das Jucken, Kratzen verschlechtert die Haut, die schlechte Haut erzeugt neuen Stress.
Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die in Schüben verlaufen. Viele Betroffene erleben, dass belastende Lebensphasen und Schübe zusammenfallen, und dass die Angst vor dem nächsten Schub selbst zur Belastung wird.
Rheumatoide Arthritis. Eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Stress kann Entzündungsprozesse beeinflussen, Schmerzen und Erschöpfung belasten die Psyche.
Bluthochdruck ohne erkennbare organische Ursache (essentielle Hypertonie). Ein Körper, der dauerhaft unter Spannung steht – so, als müsste er jederzeit zum Kampf bereit sein.
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, mit Unruhe, Herzrasen und Schlaflosigkeit, die sich wiederum auf das Gemüt auswirken.
Migräne. Manche Autor:innen zählen sie ebenfalls zu den klassischen psychosomatischen Erkrankungen. Stress, Schlafmangel und unterdrückte Anspannung gehören zu ihren häufigsten Auslösern; typisch ist der Anfall, wenn der Druck nachlässt.
Was von den „Holy Seven“ geblieben ist
Alexander glaubte, hinter jeder dieser Krankheiten stecke ein ganz bestimmter Konflikt und ein bestimmter Persönlichkeitstyp. Das hat sich so nicht bestätigt. Menschen sind zu verschieden, um in sieben Schubladen zu passen. Und beim Magengeschwür zeigte die Entdeckung des Bakteriums, dass körperliche Ursachen oft größer sind als angenommen.
Geblieben ist etwas Wichtigeres: die Erkenntnis, dass bei diesen Erkrankungen Körper und Psyche nicht zu trennen sind. Das Bakterium erklärt, warum ein Geschwür entsteht. Es erklärt nicht, warum es gerade jetzt entsteht, bei diesem Menschen, in dieser Lebensphase. Diese Frage – „Warum gerade jetzt?“ – hat der Arzt Viktor von Weizsäcker zum Kern der Psychosomatik gemacht. Sie ist bis heute der Ausgangspunkt meiner Arbeit.
Typische psychosomatische Beschwerden
Heute geht die Psychosomatik weit über die klassischen sieben hinaus. Psychische Belastung kann sich in fast jedem Organsystem zeigen. Häufig sind:
- Haut: Neurodermitis, Schuppenflechte, Nesselsucht, chronischer Juckreiz
- Atmung: Asthma, Atemnot ohne organischen Befund, das Gefühl, nicht durchatmen zu können
- Magen und Darm: Reizmagen, Reizdarm, Magenschleimhautentzündung, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Kopf: Migräne, Spannungskopfschmerz, Schwindel, Tinnitus
- Herz und Kreislauf: Herzrasen, Herzstolpern, Bluthochdruck, Brustenge ohne Befund
- Muskeln und Gelenke: Rücken- und Nackenschmerzen, Kieferverspannungen, chronische Schmerzen
- Allgemein: Erschöpfung, Schlafstörungen, häufige Infekte
Wichtig: Jede dieser Beschwerden braucht zuerst eine ärztliche Abklärung. Psychosomatik ersetzt keine Diagnose. Sie beginnt dort, wo die Diagnose nicht alles erklärt.
Magen und Darm
Kein Organ reagiert so unmittelbar auf Gefühle wie der Verdauungstrakt. Der Darm hat ein eigenes, dichtes Nervengeflecht und steht in ständigem Austausch mit dem Gehirn. Unter Anspannung wird die Verdauung gedrosselt, die Darmwand empfindlicher, der Magen übersäuert. Typisch sind Reizmagen und Reizdarm: Druck, Krämpfe, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, oft ohne auffälligen Befund – und oft genau dann schlimmer, wenn es im Leben eng wird. Auch eine Magenschleimhautentzündung kann sich unter Dauerstress hartnäckig halten. Und bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn erleben viele Betroffene, dass belastende Phasen und Schübe zusammenfallen.
Herz und Kreislauf
Das Herz ist das Organ, an dem wir Gefühle am deutlichsten spüren: Es rast vor Aufregung, stolpert vor Schreck, wird eng vor Angst. Bei Dauerbelastung bleibt das Herz-Kreislauf-System in Alarmbereitschaft. Typisch sind Herzrasen und Herzstolpern ohne organischen Befund, ein Druck- oder Engegefühl in der Brust und erhöhter Blutdruck. Oft kommt die Angst dazu, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt – und diese Angst treibt den Puls weiter in die Höhe. Wichtig ist hier besonders: Herzbeschwerden gehören immer zuerst ärztlich abgeklärt.
Chronische Schmerzen
Schmerz ist nie nur ein Signal aus dem Gewebe. Wie stark wir ihn empfinden, entscheidet das Gehirn mit. Bei anhaltender Belastung stellt sich das Nervensystem auf Alarm ein: Muskeln bleiben angespannt, Schmerzsignale werden verstärkt, die Schwelle sinkt. So können Rückenschmerzen, Nackenverspannungen oder Kieferschmerzen bestehen bleiben, obwohl der ursprüngliche Auslöser längst abgeheilt ist. Hier setzt Hypnose besonders direkt an, weil sich in Trance die Wahrnehmung von Schmerz verändern lässt.
Wie Psyche und Körper heute verstanden werden
Nicht entweder – oder
Die moderne Psychosomatik fragt nicht mehr „Ist es körperlich oder psychisch?“. Sie geht davon aus, dass Körper und Seele zwei Seiten desselben Menschen sind. Der amerikanische Internist George Engel hat dafür das biopsychosoziale Modell geprägt: Krankheit entsteht im Zusammenspiel von körperlicher Veranlagung, seelischem Erleben und Lebensumständen. Welcher Anteil wie groß ist, ist bei jedem Menschen anders.
Das Stresssystem
Am besten verstanden ist heute die Rolle des Stresssystems. Wenn wir uns bedroht fühlen, reagiert der Körper in Sekunden: Die Nebennieren schütten Adrenalin aus, etwas später das Stresshormon Cortisol. Herz und Atmung beschleunigen sich, die Muskeln spannen sich an, die Verdauung wird gedrosselt, das Immunsystem wird umgestellt. Für kurze Gefahren ist das ideal.
Problematisch wird es, wenn der Alarm nicht mehr abschaltet. Bei Dauerbelastung bleibt der Körper in Bereitschaft, als müsste er ständig kämpfen oder fliehen. Der Arzt Thure von Uexküll sprach von „Bereitstellungskrankheiten“. Die Folgen kennt die Forschung inzwischen gut:
- Das Immunsystem gerät aus dem Gleichgewicht, Entzündungen können zunehmen.
- Die Verdauung arbeitet schlechter, der Darm wird empfindlicher.
- Die Schmerzempfindlichkeit steigt, Muskeln bleiben verspannt.
- Die Haut reagiert stärker auf Reize, Juckreiz nimmt zu.
- Der Schlaf leidet – und damit die wichtigste Erholung.
Wie eng diese Verbindungen sind, untersucht ein eigenes Forschungsgebiet, die Psychoneuroimmunologie: das Zusammenspiel von Gehirn, Nerven, Hormonen und Immunsystem.
Was der Körper sich merkt
Nicht nur aktuelle Belastungen spielen eine Rolle. Frühe Erfahrungen prägen, wie empfindlich das Stresssystem eingestellt ist. Wer als Kind oder später Überwältigendes erlebt hat, dessen Körper bleibt oft länger in Alarmbereitschaft – auch dann, wenn die Gefahr längst vorbei ist. Deshalb hängen Psychosomatik und Traumatherapie eng zusammen.
Die Sprache weiß es längst
Unsere Alltagssprache kennt diese Zusammenhänge seit Jahrhunderten. Etwas liegt uns „schwer im Magen“, geht uns „unter die Haut“ oder „an die Nieren“. Uns „bleibt die Luft weg“, uns „platzt der Kragen“, etwas „bereitet Kopfzerbrechen“. Das sind keine Zufälle, sondern genaue Beobachtungen.
Wo Hypnosepsychotherapie ansetzt
Die Hypnosepsychotherapie ist in Österreich eine anerkannte Psychotherapiemethode und tiefenpsychologisch fundiert. Bei psychosomatischen Beschwerden arbeitet sie auf drei Ebenen:
Am Körper. Trance ist ein Zustand tiefer Ruhe bei wacher Aufmerksamkeit. In diesem Zustand fährt das Stresssystem herunter – oft zum ersten Mal seit langem. Sie lernen Selbsthypnose, um diesen Zustand auch zu Hause herzustellen: vor dem Einschlafen, bei beginnendem Juckreiz, bei den ersten Anzeichen eines Anfalls. Auch die Wahrnehmung von Schmerz, Juckreiz oder Enge lässt sich in Trance verändern und üben.
An der Geschichte. Wir gehen der Frage nach, warum die Beschwerden gerade jetzt da sind – und was sie aufrechterhält. Welche Belastungen, Konflikte oder alten Erfahrungen stehen dahinter? Was durfte bisher keinen Platz haben und meldet sich deshalb über den Körper? Diese tiefenpsychologische Arbeit unterscheidet Hypnosepsychotherapie von reinen Entspannungstechniken.
Am Umgang mit der Krankheit. Chronische Erkrankungen machen etwas mit Menschen: Angst vor dem nächsten Schub, Scham, Rückzug, Wut, Erschöpfung. Auch dafür ist in der Therapie Platz, unabhängig davon, wie groß der psychische Anteil an der Entstehung ist.
Wie die Arbeit konkret aussieht
Im kostenlosen Erstgespräch erzählen Sie, worum es geht, und wir klären, ob die Zusammenarbeit passt. In den ersten Sitzungen lernen Sie eine kurze Selbsthypnose, damit Sie schnell etwas in der Hand haben. Wir schauen gemeinsam, wann die Beschwerden kommen und was ihnen vorausgeht. Daraus ergibt sich, woran wir danach arbeiten.
Ihre ärztliche Behandlung läuft dabei unverändert weiter. Psychotherapie ergänzt sie.
Worauf wir hinarbeiten
Die Ziele legen wir gemeinsam fest. Häufige Ziele sind:
- den eigenen Körper wieder als Verbündeten erleben statt als Gegner
- Stress früher bemerken und gegensteuern können
- mit Schmerz, Juckreiz oder Enge anders umgehen können
- ruhigere Nächte
- verstehen, was die Beschwerden mit der eigenen Geschichte zu tun haben
- weniger Angst vor dem nächsten Schub
Häufige Fragen
Heißt psychosomatisch, dass ich mir die Beschwerden einbilde?
Nein. Psychosomatische Beschwerden sind echt und oft messbar – eine entzündete Haut, ein verengter Bronchus, ein gereizter Darm. Psychosomatisch bedeutet nur, dass die Psyche bei Entstehung oder Verlauf mitwirkt.
Woran erkenne ich, ob meine Beschwerden psychosomatisch sind?
Hinweise können sein: Die Beschwerden verstärken sich in belastenden Zeiten, sie folgen keinem klaren körperlichen Muster, die medizinische Behandlung hilft nur teilweise, oder sie haben in einer schwierigen Lebensphase begonnen. Sicher lässt sich das nur im Gespräch klären – und immer erst nach einer ärztlichen Abklärung.
Muss ich vorher ärztlich untersucht worden sein?
Ja. Körperliche Beschwerden gehören zuerst in ärztliche Hände. Bringen Sie vorhandene Befunde gern zum Erstgespräch mit.
Muss ich meine Medikamente absetzen?
Nein. Über Ihre Medikamente entscheiden ausschließlich Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Psychotherapie kommt dazu, sie ersetzt nichts.
Meine Krankheit hat eine klare körperliche Ursache. Ist Psychotherapie dann sinnvoll?
Oft gerade dann. Auch bei eindeutig körperlichen Erkrankungen beeinflusst Stress den Verlauf, und die Erkrankung selbst belastet die Psyche. Psychotherapie kann helfen, diesen Kreislauf zu unterbrechen und besser mit der Erkrankung zu leben.
Ich bin skeptisch, was „Psycho“-Themen angeht. Passt das trotzdem?
Viele meiner Klient:innen kamen mit genau dieser Skepsis. Meine eigene Geschichte mit der Psychosomatik begann übrigens auch so. Ich arbeite strukturiert und nachvollziehbar, ohne Esoterik. Sie müssen an nichts glauben – nur bereit sein, genau hinzuschauen.
Was hat das mit Trauma zu tun?
Belastende Erfahrungen, besonders frühe, können das Stresssystem dauerhaft empfindlicher machen. Bei manchen Menschen ist eine psychosomatische Erkrankung der Weg, auf dem sich eine alte Verletzung bemerkbar macht. Dann arbeiten wir auch daran – behutsam und in Ihrem Tempo.
Was passiert in einer Hypnosesitzung?
Sie sitzen bequem, sind wach und können jederzeit sprechen oder die Trance beenden. Ich leite Sie in einen Zustand konzentrierter Ruhe, in dem innere Bilder und Körperempfindungen leichter zugänglich sind. Sie verlieren nicht die Kontrolle und tun nichts, was Sie nicht wollen.
Wie lange dauert eine Therapie?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt von Ihren Beschwerden und Zielen ab. Nach den ersten Sitzungen können wir gemeinsam einschätzen, welcher Rahmen sinnvoll ist.
Übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten?
Wenn eine psychische Belastung mit Krankheitswert vorliegt – was bei chronischen körperlichen Beschwerden häufig der Fall ist –, erhalten Sie einen Zuschuss Ihrer Krankenkasse. Den Ablauf erkläre ich Ihnen im Erstgespräch.
Wenn Sie wissen wollen, ob das für Sie passt: Das telefonische Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.
Ein erstes Gespräch, kostenlos und unverbindlich
Schreiben Sie mir über das Formular, ich rufe Sie zurück. Im telefonischen Erstgespräch erzählen Sie, worum es geht, und stellen Ihre Fragen. Wir klären, ob es passt – für beide Seiten.
PraxisFranz Podek, Bahngasse 2/1, 7202 Bad Sauerbrunn
Die Praxis in Bad Sauerbrunn ist gut erreichbar aus Wiener Neustadt, Mattersburg, Eisenstadt und Wien.Anfahrt
